Die Entleerung der Schreibtische

Manches mal müssen wir einfach mal innehalten um uns zu vergegenwärtigen, was die Digitalisierung unseres Lebens und unseres Wirtschaftens alles für Veränderungen ausgelöst hat. An dieser Stelle meine ich nicht die Berufe, die zu verschwinden drohen oder erst entstanden sind und sicher noch entstehen werden, auch nicht die Verwerfungen in der Firmenlandschaft, sondern einen Aspekt aus unserem Alltag. Vor allem dem Alltag der Menschen, die in Büros arbeiten oder im Home-Office oder allgemein sich das Etikett „Wissensarbeiter“ anstecken können. Wie sehen unsere Schreibtische heute aus? Wer konsequent ist, kann sich an einen sehr aufgeräumten Arbeitsplatz setzen. Als ich vor nur 15 Jahren zu studieren begann, wurde uns das wissenschaftliche Arbeiten noch so beigebracht, wie es sicher schon seit Jahrhunderten praktiziert wurde. Texte lesen, Stichworte markieren, Exzerpte schreiben und alles im Zettelkasten ablegen. Natürlich wurde irgendwann mit Word der fertige Text erstellt und landete dann auf der Festplatte. Aber das „Wissensmanagement“ wurde mit Notizzetteln und Karteikarten bewältigt. Auch als Buchhändler arbeite ich an vielen Stellen noch sehr klassisch. Viele Büroarbeitsplätze im Handel oder bei Handwerkern sind ebenfalls zu großen Teilen noch so organisiert wie vor zwanzig Jahren. Manche Prozesse im Arbeitsleben reagieren auf Veränderungen doch sehr Träge. Inzwischen erreichen uns immer mehr Informationen papierlos und sind durch ihre Verlinkungen auch am besten digital zu verwalten. Die Tools sind inzwischen auch viel ausgereifter und die Informationsflut ist ohne sie auch immer schwerer zu bewältigen. Es sei denn, wir wollen immer größere und immer vollere Schreibtische. So passiert aber genau das Gegenteil: Die Schreibtische entleeren sich. Wird uns eines Tages etwas fehlen? Wir wissen es nicht. Vielleicht geht es dem einen so und dem Nächsten anders. Ich werde meine Eindrücke zu diesen Veränderungen in diesem Blog in Zukunft noch öfter zum Besten geben und meine Beobachtungen festhalten.

Auf Instagram habe ich den Anfang gemacht und ein Bild meines Schreibtischs gepostet. Im Idealfall ist der tatsächlich leer – ungelogen. Ich freue mich über Fotos von euren Schreibtischen mit dem Hashtag #dieentleerungderschreibtische. Vielleicht bekommen wir eine alternative Schreibtisch-Foto-Sammlung hin. Oder ächzen eure Schreibtische etwa noch unter der Last des Papiers? 😉

 

Bernd Schäfer

Philosophierender Buchhändler mit Internetanschluss.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: