Technische Neuerungen im Leben eines Buchhändlers

Nun ist es mir schon wieder passiert. Ich lese etwas im Netz, auf einer Webseite oder einem Social Media Account, und speichere mir nicht den Link und finde den Verweis auch nicht durch googeln wieder. Da ich mit einer Idee jetzt schon länger schwanger gehe, schreibe ich diesen Beitrag trotzdem.

Folgendes Zitat begegnete mir zweimal kurz hintereinander im Netz. Beide Male ohne Nennung der Quelle. Trotzdem fanden sich schnell Leser, die wussten, dass es von Douglas Adams stammt. Obwohl Lachs im Zweifel nun wirklich kein besonders bekanntes Buch ist. Also weißt bitte eure Zitate aus, haltet eure Leser nicht für blöd. Ich ging zum Regal, blätterte und zeige:

„Ich habe ein paar Regeln aufgestellt, die unsere Reaktionen auf technische Neuerungen beschreiben:

1. Alles, was es schon gibt, wenn du auf die Welt kommst, ist normal und üblich und gehört zum selbstverständlichen funktionierende Welt dazu.

2. Alles, was zwischen deinem 15. und 35. Lebensjahr erfunden wird, ist neu, und revolutionär und kann dir vielleicht zu einer beruflichen Laufbahn verhelfen.

3. Alles, was nach deinem 35. Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.“ — Douglas Adams: Lachs im Zweifel. (Heyne) München 2003. S. 134.

Jeder der das genannte Lebensjahr überschritten hat, wird dazu seine eigene Geschichte erzählen können. Die von Douglas Adams genannten Altersgruppen sind natürlich nicht in Stein gemeißelt. Jeder Mensch tickt zum Glück anders.

Meine Generation – die jüngsten Babyboomer – ist besonders von dem Wandel geprägt, den die Digitalisierung und das Internet ausgelöst haben. Computer gehörten für mich seit Teenagerjahren dazu, obwohl sich noch nicht viel sinnvolles damit machen ließ. Gespielt habe ich zwar auch damit, aber das hielt sich sowohl zeitlich als auch in der Zahl der verschiedenen Spiele in enge Grenzen. Ich fand es viel spannender, draußen unterwegs zu sein oder Science-Fiction-Romane zu lesen. Der erste Text, den ich am Computer schrieb, war eine Jahresarbeit in der Oberstufe. Tippen lernte ich schon früher an einer mechanischen Schreibmaschine, die immer noch in Familienbesitz ist und funktioniert.

Nach dem Abitur begann ich direkt die Ausbildung zum Buchhändler. Dass sieben Jahre später Filialisten den Markt umkrempeln würden, ahnte noch niemand. Bemerkenswert finde ich allerdings, dass mein Ausbilder den Boom des Internets vorausahnte. Er machte außerdem bereits Homebanking mit BTX und mein Ausbildungsbetrieb hatte bereits eine Warenwirtschaft unter MS-DOS im Einsatz.

Der Buchhandel lernte in diesen Jahren mit neuen Artikeln umzugehen. Das waren die sogenannten „Neuen Medien“, Bücher mit ergänzendem Inhalt auf CD-ROMs oder CD-ROMs, die das gedruckte Buch ganz ersetzen sollten. Die einen Buchhändler empfanden es als Chance neue Käufergruppen zu erschließen, andere fühlten sich wenig reflektiert einfach nur bedroht.

Es kam alles ein wenig anders: CD-ROMs und Bücher mit CD-ROMs führen bereits zehn Jahre später nur noch ein Nischendasein. Und die große Veränderung für den Buchhandel kam zunächst nicht durch den Medienwandel zustande, sondern durch die – zum Teil aggressive – Expansion der Filialisten.

Computer als Werkzeug gehörten für mich also zur selbstverständlich funktionierenden Welt dazu. CD-ROMs und erste Ansätze von Vernetzung empfing ich mit Neugier und sah sie ganz und gar nicht als Bedrohung an. Bis hierhin stimme ich Adams zu.

Anfang der 90er waren auch Hörbücher ein recht junger Artikel und sollten nach Adams’ obigen Worten für mich revolutionär und eine Chance sein. Nein, ich kann mich bis heute nicht mit Hörbüchern anfreunden. Einen Text vorgelesen bekommen ist in Ordnung. Aber eine aufgenommene Stimme lesen zu lassen, damit fremdel ich bis heute.

Smartphones kamen in die Welt als ich etwa 33 Jahre alt war. Nach Douglas Adams also genau die Schwelle, wo Neues so gerade noch akzeptiert und vielleicht sogar als Chance begriffen wird. Tatsächlich halte ich Smartphones bewusst eingesetzt für nützlich.

Nach dem Erscheinen des iPads fragte ich mich, wozu Tablet-Computer noch gebraucht würden. Tatsächlich dauerte es ein paar Jahre, bis ich mir eins zulegte und schätzen lernte. Aber auf einen Desktop-Computer werde ich trotzdem so schnell nicht verzichten, deren Gebrauch ist zu fest eingeübt.

Die nächsten großen Trends sollen sprachgesteuerte Geräte für das Wohnzimmer oder gar intelligente Häuser werden. Damit tue ich mich das erste mal richtig schwer mit neuen Erfindungen und glaube nicht, dass ich so schnell auf den Zug aufspringen werde. Auf rationaler Ebene sehe ich die mögliche Überwachung als Bedrohung, aber auch das Gefühl Kompetenzen aus der Hand zu geben, kann ich nicht hinnehmen.

Ein Haushaltsroboter der nicht vernetzt ist, wäre mir da deutlich willkommener. Aber ich glaube der Weg ist noch weit, bis ein leistungsfähiger Roboter unabhängig klarkommt.

Selbstfahrende Autos würde ich ebenfalls willkommen heißen. Ich habe keine Bedenken, mein Auto von einem Computer steuern zu lassen. Für die Sicherheit im Straßenverkehr und hinsichtlich der effektiveren Nutzung des vorhandenen Straßenraums, sehe ich Vorteile. Das Selbst-Lenken würde ich schon vermissen, glaube aber, dass bei ausreichender Absicherung gegen Cyberangriffe die Vorteile überwiegen.

Zum Abschluss noch ein ferner Ausblick. Was könnte eines Tages noch auf uns zukommen? Ein großer Computer, der uns regiert? Natürlich wäre das das Ende der Demokratie. Aber nicht unbedingt des Rechtsstaats. Und kann es überhaupt schlimmer kommen, nachdem die Menschheit beinahe sich selbst alle natürlichen Lebensgrundlagen geraubt hat? Kann eine Maschine mit ihrer unbestechlichen Logik vielleicht viel besser unsere Geschicke lenken, solange der Mensch immer Zweck bleibt und niemals Mittel wird?

 

Bernd Schäfer

Philosophierender Buchhändler mit Internetanschluss.

 

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