Über Quadratismus

Das klassische Bild-Format des Kinofilms war im Seitenverhältnis 4:3. Die alten Röhrenfernsehgeräte konnten aus technischen Gründen nur ein fast quadratisches Bild darstellen. Erst moderne Flachbildschirme waren in der Lage beliebige Formate darzustellen. Nun war schon lange bekannt, dass das menschliche Sichtfeld in etwa ein Seitenformat von 16:9 hat – horizontal ausgerichtet. Durch die Art und Weise, wie üblicherweise mit Smartphones fotografiert wird, etablierte sich ein rechteckiges Format – hochkant ausgerichtet. Natürlich lassen sich mit Smartphones auch rechteckige, horizontal ausgerichtete Fotos machen; aber das ist weniger bequem und dauert länger. Nun beobachte ich immer mehr quadratische Fotos. Bei Instagram sind sie das Standardformat und auch bei der neuen Betrags-Funktion von Google My Business. Auch auf einigen anderen Plattformen ist es praktikabler mit quadratischen Bildern zu hantieren.

Ich glaube, dass dieser Quadratismus nicht das Ende der Entwicklung sein kann. Das Format 16:9 hat sich mit guten Gründen für Filme durchgesetzt. Es passt perfekt zum menschlichen Sehen. So kann ich mir vorstellen, dass es zukünftigen intelligenten Kameras möglich sein wird, so zu fotografieren, dass breite Bilder entstehen, egal wie ich die Kamera halte.

Leuchttürme möchte ich weiterhin hochkant darstellen. Aber wo ist das soziale Netzwerk, das Titelbilder in hochkant erlaubt? 😉

 

Bernd Schäfer

Philosophierender Buchhändler mit Internetanschluss.

 

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