Der zerrissene Sommer

Philip Schwarz ‚zeigte‘ mir auf Twitter seinen Roman. Da ich gerne Krimis lese, war ich schnell dafür zu begeistern, seinen zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Der Oberstufenschüler Robert wird tot in einem stillgelegten Steinbruch gefunden. Wie er zu Tode kam, bleibt den Lesenden lange unklar. Gerüchte machen schnell die Runde und Roberts bester Freund Thomas wird von seinen Mitschülern verdächtigt. Bald hat ihn auch die Polizei im Fokus. 

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: eine, in der Robert gerade gefunden wurde und eine weitere, kurz vor seinem Tod. Besonders auf der früheren Ebene wird der Charakter des Romans als Coming-of-Age-Roman deutlich. Viel Raum nehmen die Reflektionen der Jugendlichen ein, was ihnen die Zukunft bringt und welche Wege sie einzuschlagen planen. Besonders Roberts Neigung zur Philosophie wird deutlich. Bei dieser Suche entschließt sich Thomas’ Freundin Alex zu einen einjährigen Aufenthalt in Australien. Auf der Feier zu ihrem 18. Geburtstag kommt es zum Wendepunkt der Geschichte.

Auf dem Buchcover lesen wir groß „Kriminalroman“. Ich bin skeptisch, ob diese Einordnung in das Krimigenre so eindeutig ist. Wie ich in einer älteren Reflektion über Krimis schon einmal beschrieb, steht das Verbrechen und seine Aufklärung im Mittelpunkt der Handlung. Tatsächlich treibt in „Der zerrissene Sommer“ ebenfalls ein mutmaßliches Verbrechen die Handlung voran. Aber das ist auch bei vielen literarischen Titeln der Fall. Das ermittelnde Personal der Geschichte sind jedoch nur Figuren am äußersten Rand, die auch nicht weiter charakterisiert werden. Von ihrer aufklärenden Arbeit erfahren die Lesenden nur sehr wenig. (Es gibt noch einen weiteren Punkt, aber mit dem würde ich an dieser Stelle zu viel über das Buch verraten.) Ich neige daher dazu, den Roman nicht im Krimigenre einsortieren zu wollen. Er ist von allgemeinerer Art und besonders auch für „Junge Erwachsene“ lesenswert.

Durch meine Tätigkeit als Buchhändler sind mir schon viele Bücher aus kleineren Verlagen oder selbstverlegte Titel begegnet, die sich durch Belanglosigkeit auszeichnen oder schlecht redigiert wurden. Mit Philip Schwarz‘ Roman wurde ich belehrt, dass es auch anders geht. Ihm ist ein gut lesbare Roman gelungen, der sehr überzeugend die Lebenswelt und Probleme von Oberstufenschülern beschreibt. Ich konnte gut mit den Nöten der Erzählerfigur Thomas und seiner Freundin mitfühlen. Die Stimmung war ansteckend. Der Roman kommt auch auf das moderne Phänomen des Cybermobbings zu sprechen. Thomas geht mit den Gerüchten um ihn zunächst sehr abgeklärt um, bis er von der Entwicklung überrollt wird. „Der zerrissene Sommer“ ist ein lesenswerter Roman und ich hoffe von Philip noch mehr lesen zu können.

 

Bernd Schäfer

Philosophierender Buchhändler mit Internetanschluss.

 

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